Nachdem Adolf Hitler im deutschen Kino seine Menschwerdung zwischen leicht vertrotteltem Onkel und Schiessbudenfigur widerfahren ist, werden in anderen Ländern noch Filme darüber gemacht, was die Nationalsozialisten am liebsten machten – nämlich Rauben, Foltern und Morden. Der niederländische Thriller „Black Book“ zeigt wie totalitäre Unterdrückungsmechanismen bei einigen Menschen nur das Schlechteste zu Tage fördern, während sie wenige andere zu Helden machen.
So wie die jüdische Sängerin Rachel Stein (Carice van Houten), die auf der Flucht miterleben muss, wie ihre gesamte Familie kaltblütig ermordet wird und sich daraufhin dem holländischen Widerstand anschließt. Als einer ihrer Kameraden von den deutschen Besatzern verhaftet wird, mischt sie sich mit dem Ziel ihn zu befreien in die Reihen der Besatzungstruppen und wird die Geliebte des Offiziers Müntze (Sebastian Koch). Doch muss sie bald feststellen, dass sie den Leuten aus den eigenen Reihen nicht unbedingt mehr vertrauen kann, als den Nazis.
Paul Verhoeven, der in den Neunzigern mit Filmen wie Robocop, Total Recall oder Starshiptroopers das Genrekino Hollywoods revolutionierte und mit „Basic Instinct“ Sharon Stones Vagina weltberühmt machte, knüpft mit Black Book nahtlos an seine frühen holländischen Filmerfolge, wie „Soldiers of Orange“ und „Keetje Tippel“ an. Vor allem mit letzterem teilt „Black Book“ Verhoevens Geschick vielschichtige Filmheldinnen zu kreieren, die dem Unbill das ihnen widerfährt mit bewundernswerter Kraft und Schläue begegnen. Ein weiteres Merkmal, ist der für Verhoeven übliche unverkrampfte Umgang mit Sexualität, die hier zwar sehr wohl als „harte Währung“ dargestellt wird, darüber hinaus aber so menschlich inszeniert wurde, wie es im aktuellen Kino leider selten ist. Natürlich entspringt auch die Figur der Rachel einer Männerphantasie, aber scheinbar wenigstens einer, die Frauen als das stärkere und gewitztere Geschlecht begreift. Man sollte außerdem beachten, dass Verhoeven auch diesen, auf reale Begebenheiten basierenden, Stoff in erster Linie dazu nutzt einen temporeichen, intelligenten Actionreißer auf die Beine zu stellen, ohne dabei jedoch den Bezug zu der Situation der heutigen Welt aus den Augen zu verlieren. Was ihn mit dieser hervorragend besetzten europäischen Gemeinschaftsproduktion auf beeindruckende Weise gelungen ist.
(D/NL/GB/B 2006)
R+B: Paul Verhoeven; B: Gerard Soeteman; D: Carice van Houten, Sebastian Koch, Thom Hoffman, Halina Reijn, Waldemar Kobus, Christian Berkel
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